Bereits in der Festschrift zum 30jährigen Bestehen der Schützenbruderschaft Brenig im Jahr 1951, verfasste der damalige Hauptlehrer Matthias Pütz Beiträge zum heimischen Schützenwesen. So auch der nun folgende Aufsatz im unveränderten Wortlaut, der sich mit der ersten urkundlichen Erwähnung eines Schützen aus Brenig im Jahr 1581 befasst. Die Urkunde lässt darauf schließen, dass bereits in diesen frühen Jahren eine anerkannte Schützengilde in Brenig bestand. Daher können wir urkundlich belegt und stolz behaupten, dass Breniger Schützen „treffsicher seit 1581“ sind.

Das große Kölner Freischießen vom Jahre 1581

Da das große Kölner Schützenfest vom Jahre 1581 für die Geschichte unserer Bruderschaft, wie vorhin dargelegt, von besonderer Bedeutung ist, sei hier eine kurze Schilderung dieses Schützenturniers gegeben:

Neben den jährlichen Königsschießen, die die einzelnen Schützengesellschalten für ihre Mitglieder abhielten, gab es in den größeren Städten des Rheinlandes im Mittelalter die Schützenturniere, an denen jeder teilnehmen konnte, der die vorgeschriebene Einlage zahlte. Sie wurden daher auch Freischießen genannt, weil sie für jeden freigegeben waren. Gustav Freytag nennt diese großen Schießspiele nicht mit Unrecht die Waffenfeste des deutschen Bürgertums im Mittelalter. Sie standen vor allem im 15. und 16. Jahrhundert in hoher Blüte. Eines der größten war das vom Jahre 1581 in Köln. Es ist auch kulturgeschichtlich von besonderer Wichtigkeit, weil das gesamte Aktenmaterial dieses Schießspiels im Archiv der Stadt Köln erhalten ist. Es bildet daher für die Forschung eine wichtige Fundquelle für die Geschichte des rheinischen Schützenwesens.

Da in Köln anscheinend seit 1569 kein größeres Schießspiel mehr stattgefunden hatte, wandten sich die Kölner Schützen an den Ratsherrn Konstantin von Lyskirchen mit der Bitte, im Jahre 1581 wieder eines zu veranstalten. Sie hatten jahrelang die Schießspiele der anderen Städte besucht und ihre Gastfreundschaft genossen, und wollten nun ihrerseits durch die Veranstaltung eines großen Schießspiels die Gastfreundschaft erwidern. Beim Rate aber war wenig Stimmung dafür vorhanden. Man mag sich bei der Aussprache über das Waffenfest vielleicht der Fehde erinnert haben, in die die Stadt anläßlich des Schießspiels von 1506 mit dem Ritter Götz von Berlichingen verwickelt wurde.

Wichtiger waren wohl die hohen Kosten, die mit einer solchen Veranstaltung verbunden waren. Konstantin von Lyskirchen hatte daher mit großen Widerständen zu kämpfen. Doch gelang es ihm schließlich, allen Bedenken zum Trotz, seinen Antrag durchzusetzen. Er schätzte die Kosten auf 200-300 Taler. Manche Ratsherren mögen wohl später ein enttäuschtes Gesicht gemacht haben, als ihnen nach Schluß des Festes eine Abrechnung von über 2000 Reichstaler vorgelegt wurde.

Nachdem nun der Rat den Beschluß gefaßt hatte, wurden die Einladungen durch Boten den befreundeten Schützengesellschaften zugestellt. Neben den größeren rheinischen Städten, wie Aachen, Düsseldorf, Mainz, Frankfurt und Lüttich wurden aus unserer engeren Heimat Brenig, Waldorf und Heimerzheim eingeladen. Es waren im ganzen 35 Schützengesellschaften, die ihre Vertreter nach Köln entsandten. Nach den Listen betrug die Zahl der Armbrustschützen 134 und die der Büchsenschützen 211, zusammen also 345. Nach dem Bericht des Chronisten Hermann Weinsberg hatten die meisten Schützen, die aus kurkölnischen Orten stammten, gleich nach Beginn des Festes Köln verlassen, weil der Kurfürst von Köln den kurkölnischen Schützen die Teilnahme untersagt hatte. Die Stadt Köln unterstand als Freie Reichsstadt nicht dem Kurfürsten, und ihr Verhältnis zu ihm war manchmal sehr gespannt. Das zeigte sich auch gelegentlich dieses Festes, das nicht ohne Reibereien mit dem Landesherrn abging. So wird uns berichtet, daß der Schütze, der den ersten Preis im Büchsenschießen erhielt, der Zülpicher Hambloch, es wegen des Verbots des Kurfürsten nicht wagte, in seine kurkölnische Heimatstadt Zülpich zurückzukehren, Er blieb in Köln, bis der Streit mit dem Kurfürsten erledigt war. Es mögen wegen des Einspruchs des Kurfürsten zu Anfang des Festes etwa 200 Schützen das Fest verlassen haben, so daß die Gesamtzahl der erschienenen Schützen zu Beginn des Festes etwa 545 betragen hat. Unter diesen befanden sich aus der Schützengesellschaft Brenig 2: Johann Bungart, der den 7. Preis mit 24 Treffern, 9 ¼ Taler erhielt, und einer namens Esser.

Am 19. Juli trafen die auswärtigen Gäste in Köln ein, und am folgenden Tage, um 7 Uhr morgens, versammelten sich die Armbrustschützen auf dem Schützenplatz, der sich auf dem Neumarkt befand. Die ersten 3 Tage vergingen mit Vorbereitungen, wie Einteilungen, Bekanntgabe der Bedingungen und Erledigung der Listen. Jeder Teilnehmer des Armbrustschießens mußte eine Einlage von 2 Reichstalern entrichten, dieselbe Einlage war auch für das Büchsenschießen vorgesehen. Die 134 Armbrustschützen wurden auf 6 Gruppen verteilt, die Viertel” oder „Lose” hießen und aus 19 bis 25 Schützen bestanden. Über die Reihenfolge, in der die Schützen am Stand erschienen, entschied das Los. In der so festgestellten Ordnung wurden die Namen in das Schießbuch eingetragen. Es wurde aufrecht, redlich und frei mit schwebendem Arm”, also stehend freihändig, geschossen. Jeder Schütze gab 32 Schuß ab, jeder Schütze des Loses” gab zunächst den ersten Schuß ab, dann wurde in der Reihenfolge der Schießliste der zweite abgegeben, bis jeder seine 32 Schuß abgegeben hatte. Die Zeit des Zielens wurde durch eine Uhr bestimmt, mit deren Glockenschlag der Schuß abgegeben sein mußte. Es läßt sich bei Annahme nur einer Bahn und einer etwa zehnstündigen Schießzeit leicht errechnen, daß für jeden Schuß nur eine sehr kleine Spanne Zeit, etwa ein bis zwei Minuten, vorgesehen war. Auf dem Schießstand wie in der Schreibhütte muß daher eine mustergültige Ordnung geherrscht haben, die es ermöglichte, innerhalb der so kurz bemessenen Zeit alle jenen umständlichen Arbeiten, wie Ausziehen der Bolzen, Abmessen der Schüsse und Aufzeichnung in das Schießbuch, auszuführen. Die Bahn für die Armbrustschützen hatte eine Länge von 125 Kölner Ellen, etwa 70 m, die der Büchsenschützen 300 Ellen, 165 m. Geschossen wurde auf die Siebenzirkelscheibe, die einen schwarzen Ring und in der Mitte einen weißen Kreis hatte. Sie hatte eine Größe von 45×45 cm und verlangte auf diese Entfernung schon ein genaues Zielen. Der Treffer galt, wenn er im weißen Kreis saß, „ins schwarze getroffen hatte“. Schützenkönig wurde Johann Dunwalt aus Köln mit 29 Treffern. Er erhielt einen von der Stadt Köln gestifteten Geldpreis von 100 Talern, die anderen Preise gingen von 24 bis herunter zu 1 ¾ Taler. Das Armbrustschießen dauerte 7 Tage, Schluß war damit am 29. Juli. Nun folgte der große Festzug und das fröhliche Treiben mit allerlei Belustigungen auf dem Quatermarkt.

In ähnlicher Weise verlief auch das Büchsenschießen, das am 30. Juli begann, bis zum 8. August dauerte. Es fand auf vier Bahnen am Weyertore statt. Dabei wurden auffallend gute Ergebnisse erzielt. 5 Schützen hatten bei 24 Schuß 23 Treffer erzielt. König wurde der schon erwähnte Hambloch aus Zülpich. Auch dieser zweite Teil des Festes endete mit Festzug und Gelage auf dem Quatermarkt.

Zum Autor: Matthias Pütz war Lehrer an der katholischen Volksschule Brenig von 1912 bis 1957 und lange Zeit deren Schulleiter. Er starb 1969 im Alter von 78 Jahren.