Ein Jahrhundert unter dem Schutz des heiligen Sebastian – warum die Breniger Schützen ihn 1921 zu ihrem Patron wählten.

In diesem Jahr feiern die Breniger Schützen ihr 105-jähriges Jubiläum. Ein guter Anlass, nicht nur auf die Geschichte der Schützenbruderschaft zurückzublicken, sondern auch auf eine zentrale Entscheidung bei ihrer Neugründung im Jahr 1921: die Wahl des heiligen Sebastian als Patron der Bruderschaft.

Genaue Aufzeichnungen über diese Entscheidung gibt es nicht. Doch aufgrund der engen historischen Verbindung zwischen Brenig und dem heiligen Sebastian kann davon ausgegangen werden, dass diese Wahl kein Zufall war. Vielmehr ist sie tief in der Geschichte des Ortes und der Pfarrgemeinde Brenig verwurzelt.

Sebastian und Brenig – eine besondere Beziehung

Brenig ist seit 941 urkundlich erwähnt und war bis zur Säkularisation im 19. Jahrhundert ein bedeutender Heilig-Blut-Wallfahrtsort. Die Pfarrkirche war über Jahrhunderte ein zentrales Ziel für Wallfahrtsreisende und prägte das religiöse Leben des Ortes maßgeblich. Ursprünglicher Pfarrpatron ist der Evergislus.

Doch seit der Zeit der großen Pestepidemien im Spätmittelalter, insbesondere ab dem 14. Jahrhundert, trat der Sebastian als zweiter Pfarrpatron an seine Seite. In einer Phase existenzieller Bedrohung wurde Sebastian vielerorts als Schutzheiliger angerufen – insbesondere als Fürsprecher gegen Krankheit, Seuchen und Not. Auch in Brenig wuchs in dieser Zeit eine besondere Verehrung für ihn. Sebastian wurde zu einem Heiligen, dem man vertraute und den man als Schutz für die Gemeinschaft verstand – ein geistlicher Beistand in Zeiten größter Unsicherheit.

Die besondere Bedeutung des heiligen Sebastian in Brenig zeigt sich auch an den historischen Glocken der Pfarrkirche. Das Geläut besteht aus drei wertvollen Glocken, darunter die Sebastianus-Glocke von 1754, die seine herausgehobene Stellung im Ort unterstreicht. So ist das Gedenken an den heiligen Sebastian auch täglich hörbar für das ganze Dorf.

Der heilige Sebastian – Überlieferung und Bedeutung

Es gibt nicht viele Überlieferungen zum Leben von Sebastian. Es ist überliefert, dass er im 3. Jahrhundert lebte und Offizier der römischen Garde war. Ihm wird zugesprochen, dass er heimlich verfolgte Christen unterstützte und sich schließlich offen zum Christentum bekannte. Dafür wurde er zum Tod verurteilt: zunächst durch Pfeile schwer verwundet und später, nach erneuter Glaubensbekennung, endgültig getötet. Seine Standhaftigkeit machte ihn früh zu einem der meistverehrten Heiligen Europas.

Neben seiner Rolle als Pestheiliger wurde er insbesondere zum Patron der Schützen und Soldaten – als Sinnbild für Mut, Haltung und Treue zu den eigenen Überzeugungen.

Sebastian und die Breniger Schützen

Die Neugründung der Schützenbruderschaft fiel in eine Zeit großer gesellschaftlicher Unsicherheit nach dem Ersten Weltkrieg. Gemeinschaft, Orientierung und Zusammenhalt waren zentrale Bedürfnisse. Vor diesem Hintergrund können wir annehmen, dass Sebastian bei der Wahl des Patrons mehrere Ebenen vereinte, die für die Breniger Schützen entscheidend waren:

  • Er war bereits zweiter Pfarrpatron des Ortes – kein fremder Heiliger, sondern fest in Brenig verankert
  • Er stand für Schutz und Standhaftigkeit in Zeiten von Krise und Bedrohung
  • Er war ein traditioneller Schutzpatron der Schützen

Die Wahl Sebastians verband damit kirchliche Tradition, örtliche Identität und das Selbstverständnis der Schützen zu einer stimmigen Einheit. Rund um seinen Gedenktag, den 20. Januar, wird daher bis heute das Patronatsfest der Breniger Schützen gefeiert.

Vergangenheit und Gegenwart

Wenn die Breniger Schützen an diesem Sonntag ihr Patronatsfest feiern, tun sie dies im Bewusstsein einer langen Geschichte. Die Wahl des heiligen Sebastian als Patron war bereits 1921 eine Entscheidung, die auf einer gewachsenen Tradition und einer besonderen Beziehung des Ortes zu diesem Heiligen beruhte.

Heute, 105 Jahre später, steht Sebastian noch immer für das, was die Breniger Schützen auszeichnet: Gemeinschaft, Verlässlichkeit und die enge Verbundenheit von Glauben, Tradition und Dorfleben.